> Zurück

SOFTBALL NLA Saisonabschluss

Nadine 26.09.2019

Game 3

Flyers  - Barracudas        6  :  7 

Über dieses Spiel mag man irgendwie gar nicht viele Worte verlieren. Zumal das Berichtschreiben nach verlorenen Finals noch nie zu meinen Stärken gehörte.

Machen wir doch einfach mal eine Zeitreise. Steigt ein, schliesst die Türen und los geht‘s.

Wir heben ab in Richtung Gestern, überfliegen die Jahrtausendwende, kreisen ein wenig über den 1990er Jahren und landen….

… im Jahr 1994

Aus dem Radio düdelt allerorten Mariah Carey’s Hit „Without You“, aber auch „I swear“ von All 4-One kann man nicht entgehen. Züri West landet mit „Ich schänke dir mis Härz“ einen Hit und die Crash Test Dummies texten wortgewandt: „Mmm Mmm Mmm Mmm“.

Überhaupt gibt es in diesem Jahr den ersten Musikdownload der Geschichte mit Aerosmith „Head First“. Die Downloadzeit des 4,5 Minuten langen Stückes liegt bei 1-4 Stunden. Je nach Telefonverbindung. 

Bei den olympischen Winterspielen in Lillehammer fährt eine gewisse Vreni Schneider zu Gold und Silber, die Schweiz scheidet bei der Fussball WM in den USA durch ein 0:3 gegen Spanien im Achtelfinale aus (mit von der Partie legendäre Namen wie Stephane Chapuisat, Ciriaco Sforza, Adrian Knup oder Alain Sutter). Den Weltpokal wird später Brasilien in die Höhe stemmen. Nicht ohne direkt nach dem Gewinn der WM des kürzlich verstorbenen Rennfahrers Ayrton Senna zu gedenken.

Der FCB Basel steigt 1994 endlich wieder in die NLA auf und die Therwil Flyers Baseballer gewinnen die Meisterschaft zum 5.Mal, die Softballerinnen beenden die Saison auf Rang 4.

In Europa zahlt man noch mit D-Mark, Schilling, Francs, Gulden und sonstigen Währungen, die deutsche Wiedervereinigung ist grade mal 4 Jahre alt und Helmut Kohl immer noch Bundeskanzler, während in der Schweiz Otto Stich, Adolf Ogi oder Ruth Dreyfuss im Bundesrat sitzen. Letztgenannte können auch eine Zustimmung bei der Volksabstimmung zur Alpeninitiative verbuchen, die zum Ziel hat, den Alpenraum vor den negativen Folgen des Verkehrs zu schützen.

Der Schweizer Nationalfeiertag ist zum ersten Mal für alle ein arbeitsfreier Tag. Nach 7-jähriger Bauzeit wird von der Queen persönlich der Tunnel unter dem Ärmelkanal eingeweiht, halb Ostdeutschland steht unter (Hoch-)Wasser, im eingekesselten Sarajevo tobt weiterhin ein fürchterlicher Krieg, Berlusconi wird in Italien gewählt und in den USA ist ein gewisser Bill Clinton Präsident und in Russland Boris Jelzin. Der Friedensnobelpreis geht 1994 an Yassir Arafat und Jitzak Rabin für ihre Bemühungen um die israelisch-palästinensichen Friedensversuche.

Aktuelle Filme sind „Schindlers Liste“, der die meisten Oscars abräumt, „Forrest Gump“, „Philadelphia“, „The Piano“ oder „Gilbert Grape“ mit dem noch sehr jungen Leonardo DiCaprio.

Die Jugend auf ihren Skateboards wird erschüttert durch den Suizid von Curt Cobain und (wenn sie gewusst hätten, was da auf sie zukommt) der Geburt von Justin Bieber…

Erich Honecker stirbt im Südamerikanischen Exil und auch Jacky Onassis verlässt diese Welt. In Kolumbien wird der Fussballer Andres Escobar erschossen, kurz nachdem er mit einem Eigentor das Ausscheiden der kolumbianischen Mannschaft bei der WM verursachte.

Man telefoniert vom Festnetztelefon aus, auch wenn es 1994 erstmalig gelingt, Textnachrichten (SMS) zu verschicken. Das Benzin kostet weniger als CHF 1.20 pro Liter und das Päckchen Zigaretten ca. 4 Franken.

Und in genau diesem Jahr 1994 betritt eine 18-jährige Frau in Reinach (BL) zum ersten Mal ein Softballfeld (oder worauf auch immer man damals grad gespielt hat). Sie nimmt Glove und Bat und wird sie im kommenden nächsten Vierteljahrhundert nicht mehr aus der Hand legen. Sie wird die Schweizer Softballwelt prägen wir kaum eine andere.

Und so stehe ich hier, 25 Jahre später, wieder im Hier und Jetzt und ziehe meinen Hut.

Ich ziehe ihn und werfe ihn hoch in die Luft um Danke zu sagen. Danke für Alles und 25 Jahre Softballgeschichte!

Im Übrigen werde ich nie ihr erstes Wort an mich vergessen. Januar 2004, mein zweites Training. Unsere erste Begegnung. Sie winkt mich heran, greift sich meinen Glove (hatte ich 1995 im Saarbrücker „Toys’r us“ gekauft, was ich jetzt nicht weiter kommentieren werde) und sagt ein einziges, treffendes Wort: Schissdräck! 

Ehrlich, direkt und (leider) wahr!!

Wie so oft… ;-)